Basiswissen NO2: Nitrit im Aquarium

Nitrit im Aquarium

Wir haben uns schon einmal mit Nitrat (NO3) im Aquarium beschäftigt, das sich mit der Zeit als Nährstoff anreichert und bei steigender Menge nach und nach problematisch wird. Anders sieht es bei Nitrit (NO2) im Aquarium aus: Bereits geringste Mengen sind hochgiftig für Zierfische, Garnelen und andere Aquarienbewohner. Hier erfährst du, wie man sicherstellt, dass der Nitritwert im laufenden Aquarium bei Null bleibt und was man bei erhöhtem Nitrit notfallmäßig tun kann.

Notfall: Nitrit-Anstieg
Hast du einen zu hohen Nitritwert in deinem Aquarium gemessen, aus Unwissenheit zu früh in der Einfahrphase Fische eingesetzt und zeigen deine Bewohner Zeichen einer Vergiftung? Dann springe bitte sofort zum Punkt „Notfallmaßnahmen: Nitrit sofort senken“ und führe die dort angegebenen Notfallmaßnahmen durch!

Nitrit im Aquarium: Das Wichtigste in Kürze

  • Eine ausreichend lange Einfahrphase ist bei Aquarien essenziell, damit sich Nitrit-abbauende Bakterien ansiedeln können.
  • Im laufenden Aquarium sollte der Nitritwert immer auf Null bleiben. Unten findest du Tipps, wie das erreicht wird.
  • Hohe Nitritwerte beeinträchtigen den Sauerstofftransport und können dadurch zur Vergiftung und zum Tod führen.
  • Symptome einer Nitritvergiftung sind schnelle Atmung, blasse oder dunkelrote Kiemen und Lethargie bei Fischen. Bei Garnelen auch Taumeln, hektisches Schwimmen oder Umfallen.
  • Bei Nitritanstieg oder Vergiftungssymptomen, bitte sofort einen großen Wasserwechsel durchführen! Danach helfen weitere Maßnahmen, die wir unten genauer angeben.

Nitrit = NO2

In diesem Text spreche ich nicht immer nur von „Nitrit“, sondern bisweilen auch von „NO2“. Beides ist das Gleiche. Letzteres ist die chemische Bezeichnung dafür, die in der Aquaristik häufig genutzt wird.

Wer sich damit nicht so auskennt, ist anfangs manchmal verwirrt, da gerade Nitrit und Nitrat chemisch ähnlich sind, aber komplett unterschiedliche Eigenschaften haben:

  • NO2 = Nitrit (bereits in kleinen Mengen giftig, wird von Filterbakterien im Prozess der „Nitrifikation“ zu Nitrat umgesetzt)
  • NO3 = Nitrat (Endprodukt der Nitrifikation, nur in hohen Konzentrationen schädlich)

Was ist Nitrit und wie entsteht es im Aquarium?

Die Bildung von Nitrit im Aquarium beginnt meist mit der Zersetzung organischen Materials, wie Futterresten und Fischkot. Bei diesem Prozess produzieren die Abbauprodukte zunächst Ammoniak.

Im einem Prozess, der Nitrifkation genannt wird, setzen bestimmte Bakterien Ammoniak zu Nitrit um. Weitere Bakterien wandeln wiederum das Nitrit zu Nitrat um. Das passiert im Aquarium idealerweise so schnell und effizient, dass Nitrit nicht nachweisbar ist, da es sofort umgewandelt wird.

Warum kann Nitrit im Aquarium ansteigen?

Kommt es zu einem Nitritanstieg, heißt das, dass die Bakterien, die Nitrit zu Nitrat umwandeln, ausgelastet sind.

Dafür kann es generell zwei Gründe geben:

  • Es haben sich noch nicht ausreichend nitrifizierende Filter-Bakterien bilden können. Das ist zum Beispiel so, wenn die Einlaufphase zu kurz gestaltet wird. Wenn man ein Aquarium neu einrichten möchte, sollte man die Einfahrzeit deshalb lieber zu lang als zu kurz gestalten (mehr dazu unten).
  • Es wird plötzlich mehr Stickstoff freigesetzt, sodass die Bakterien ausgelastet sind und nicht alles umsetzen können.

Dass die Bakterien die Umsetzung nicht mehr komplett schaffen, hat in der Regel die Ursache, dass plötzlich mehr Nährstoffe ins Wasser gelangen. Das kann der Fall sein, wenn zu viele neue Bewohner gleichzeitig eingesetzt werden, übermäßig viel Fischfutter ins Wasser gelangt oder anderweitig schlagartig viele Nährstoffe freigesetzt werden (beispielsweise durch verstorbene Tiere im Becken).

Werden hingegen langsam zunehmend mehr Nährstoffe zugeführt, vermehren sich auch die Bakterien entsprechend und das Aquarium bleibt in Balance.

Aquarien richtig einlaufen lassen: Wichtigste Voraussetzung für niedrige Nitrit-Werte

Wie oben erwähnt spielen Bakterien eine entscheidende Rolle für den Abbau von Nitrit. Diese Bakterien sitzen in erster Linie im Filter. Aber nicht nur im Filter, auch auf Oberflächen im Aquarium und im Bodengrund siedeln sie sich an.

Die Einfahrphase bezeichnet die Zeit, in der ein neues Aquarium etabliert wird und sich die biologische Balance einstellt. Während dieser Phase entwickeln sich die Bakterienkulturen im Filter und Bodengrund, die notwendig sind, um schädliche Substanzen wie Ammoniak und Nitrit abzubauen.

Am Anfang sollten du deshalb noch keine Fische einsetzen, da das biologische Gleichgewicht noch nicht vorhanden ist. Zu viele Fische führen schnell zu einem Anstieg von giftigem Nitrit, was gefährlich für die Tiere sein kann.

Es ist ratsam, das Aquarium über mehrere Wochen ohne Fische laufen zu lassen. Geduld ist hier entscheidend, um einen Nitritanstieg zu vermeiden. Immerhin haben Fische ein Gehirn und sind fühlende Lebewesen, für die wir Verantwortung übernehmen und die wir nicht aus Ungeduld gefährden sollten.

Bei einigen Aquarien sieht man einen sogenannten „Nitritpeak“, also einen vorübergehenden Anstieg von Nitrit, der dann wieder verschwindet, wenn die abbauenden Bakterien in Gang kommen. Einige Tage nach einem Nitritpeak kann man anfangen, die ersten Fische (nicht zu viele auf einmal!) einzusetzen. Allerdings sieht man den Peak nur, wenn man häufig misst und nicht jedes Becken zeigt ihn überhaupt!

Im Zweifelsfall: Einfach mindestens drei Wochen einfahren lassen und vor dem Einsetzen der Fische und auch täglich in der ersten Woche nach dem Einsetzen der Fische Nitrit messen.

Wichtig: Zu gründliche Reinigung vermeiden

Wer sein Aquarium zu gründlich reinigt, verliert auch die wertvollen Bakterien. Bodengrund sollte nie gewaschen werden und Mulm muss nicht penibel entfernt werden. Eine „Putztruppe“ aus verschiedenen Schneckenarten ist die bessere Lösung, um Mulm abzubauen.

Auch beim Reinigen der Filtermedien bitte Vorsicht walten lassen. Generell solltest du den Filter nur reinigen, wenn er zusetzt und die Filterströmung nachlässt. Auch dann bitte nur vorsichtig mit temperiertem Wasser auswaschen und auf keinen Fall heiß durchspülen.

Zu viel Nitrit im Aquarium: Die Auswirkungen

Nitrit im Aquarium kann erhebliche Auswirkungen auf Fische haben. Bereits geringe Mengen von Nitrit können zu gesundheitlichen Problemen führen, da es den Sauerstofftransport im Blut beeinträchtigt.

Dies geschieht durch die Umwandlung von Hämoglobin in Methemoglobin, welches nicht in der Lage ist, Sauerstoff effektiv zu binden.

Symptome einer Nitritvergiftung bei Fischen

Fische zeigen oft Symptome wie Atemnot, schnelles Atmen, Verhaltensänderungen, Flossenklemmen oder anhaltendes Verweilen an der Wasseroberfläche, um dort mehr Sauerstoff aufzunehmen.

Während dieser Stressphase sind sie anfälliger für Krankheiten und Infektionen, was ihr Wohlbefinden weiter beeinträchtigen kann.

Ein weiteres Zeichen sind blasse oder dunkelrote Kiemen. Diese Verfärbung tritt auf, weil Nitrit das Hämoglobin im Blut blockiert, was wiederum den Sauerstofftransport behindert. In schweren Fällen kannst du sogar ein taumelndes Schwimmen oder das Liegen am Boden beobachten.

Letztendlich kann eine erhöhte Nitritbelastung zum Tod führen.

Symptome einer Nitritvergiftung bei Garnelen

Garnelen zeigen bei erhöhtem Nitrit oft Symptome wie hektisches oder zuckendes Schwimmen, Taumeln, Absinken zu Boden oder sie fallen auf die Seite.

Sowohl totale Lethargie als auch übermäßige Hektik können also Warnzeichen sein, je nach Höhe des Nitritwertes und Empfindlichkeit der jeweiligen Garnelenart.

Welcher Nitritwert ist optimal?

Der optimale Nitritwert ist einfach festzulegen, denn er liegt bei Null (bzw. nicht nachweisbar im Test).

Wert bis zu 0,1 mg /l gelten noch als in Ordnung. Alles darüber erfordert sofortige Maßnahmen zur Absenkung von Nitrit (welche das sind, haben wir unten aufgeführt). Werte ab 0,5 mg / l sind besonders kritisch und müssen SOFORT behoben werden, damit die Bewohner überleben können!

Wie misst man NO2 / Nitrit im Aquarium?

Bei Nitrit sind zuverlässige und genaue Tröpfchentest die ideale Messmethode. Hierbei handelt es sich um Testreagenzien, die man zusammenmischt und anhand einer Farbreaktion dann die genaue Konzentration von Nitrit ablesen kann.

Soll es im Notfall schnell gehen, sind auch Teststreifen sehr sinnvoll, die man immer da haben sollte.

Die Streifentests sind zwar nicht so genau. Zeigen Fische aber Symptome einer Vergiftung, zeigen sie innerhalb von Sekunden anhand der Verfärbung im Testfeld an, ob Nitrit vorhanden ist.

Auch wenn sie in Fachkreisen oft als zu ungenau dargestellt werden, können die Streifen einen hohen Nitritwert gut anzeigen, und zwar viel schneller als Tröpfchentests. Zeigt der Streifen keine Färbung im Feld für Nitrit, bitte aber unbedingt mit einem Testreagenz noch einmal nachmessen, falls der Wert nur leicht erhöht ist.

Notfallmaßnahmen: Nitrit sofort senken

Bei einem Anstieg von Nitrit oder wenn die Bewohner Vergiftungssymptome zeigen, solltest du immer handeln. Das Nitrit muss dann zwingend abgesenkt werden. Erst dann gilt es, Vorsorge zu treffen, damit kein erneuter Anstieg auftritt.

Notfallmaßnahme #1: Wasserwechsel

Steigt das Nitrit an, ist die wichtigste Sofortmaßnahme der Wasserwechsel. Wasseraufbereiter können zusätzlich unterstützen.

Je nach Höhe des Nitritwertes solltest du mindestens 50 % des Wassers wechseln. Bei Vergiftungssymptomen am besten gleich 80 % wechseln. Danach solltest du den Wert immer wieder messen und bei jedem erneuten Anstieg den Wasserwechsel wiederholen.

Weitere sinnvolle Maßnahmen nach dem Wasserwechsel (nicht stattdessen!) sind:

Zusätzlich möglich: Zugabe von Filterbakterien

Um den Aufbau der nitritreduzierenden Bakterien zu beschleunigen, können Filterbakterien zugesetzt werden, die man auch in der Einfahrphase unterstützend nutzen kann. Allerdings müssen diese sich dann erst fest ansiedeln und vermehren, sodass der Effekt nicht sofort spürbar ist!

Zusätzlich möglich: Wasseraufbereiter mit Nitrit-bindender Wirkung

Nitrit-Senker können Nitrit binden und damit sofort absenken. Das ist eine gute Sofortmaßnahme, verhindert allerdings nicht den erneuten Anstieg von Nitrit. Hast du solche Mittel daheim, dann kannst du sie gern einsetzen. Wichtig ist aber immer auch ein Wasserwechsel.

Zu hohes Nitrit im Aquarium dauerhaft vermeiden

Damit es nicht erneut zu einem Nitritanstieg kommt oder dieser gar nicht erst entsteht, fasse ich hier für dich zusammen, was sich aus den oben bereits angesprochenen Punkten ergibt.

Nitrit-Anstieg verhindern durch diese Maßnahmen:

  • Ausreichende lange Einfahrphase des Aquariums
  • Nicht zu viele neue Bewohner auf einmal einsetzen
  • Sparsam füttern
  • Regelmäßige Wasserwechsel durchführen
  • Beim Reinigen des Aquariums, den Bodengrund und die Filtermedien nicht zu intensiv reinigen
  • Überbesatz an Fischen verhindern
  • Regelmäßige Kontrolle des Aquariums, um absterbende Pflanzen oder tote Tiere entfernen zu können
  • Wichtige Wassertests bereithalten, um in Notfällen einen schnellen Check durchführen zu können

Letzte Aktualisierung am 20.07.2024 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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